Die Lafora-Krankheit


Unsere Hunde Djego und Cliff wurden im Mai 2017 in Toronto/CA auf Lafora getestet, nicht weil ich einen begründeten Verdacht hatte, sondern weil ich als verantwortungsbewußter Deckrüdenbesitzer im Sinne einer gesunden Zucht der Ansicht bin, dass ich es unserer Rasse schuldig bin.

Das Ergebnis war leider nicht das erhoffte.

 

So wurde unser Djego als affected und unser Cliff als carrier diagnostiziert.

 

Somit haben wir uns im Sinne für eine gesunde Rasse Beagle entschlossen, Djego aus der Zucht zu nehmen.

 

Ich sehe es als meine Pflicht an, mit diesem Thema ganz offen umzugehen und zu informieren.

 

Wie geht es nun weiter? (Stand 06/2017)

Djego wird mit seinen acht Jahren, der die Krankheit in sich trägt, aber bisher zum Glück noch keine Symptome zeigt, sein Leben einfach als Hund geniessen. Wir hoffen, dass die Krankheit nicht ausbricht und er uns noch viele Jahre gesund erhalten bleibt.

Djego steht als Deckrüde nicht mehr zur Verfügung.

Nachtrag: Djego zeigt leider in der Zwischenzeit sehr deutliche Symptome der Krankheit.

 

Cliff, als "nur" Träger, wird die Krankheit nicht bekommen. Mit ihm schlage ich die jagdliche Förderung seines Instinktes ein und werde ihn hier hoffentlich erfolgreich fördern und ausbilden können.
Nachtrag: Cliff hat im August 2017 seine Schweißprüfung auf künstlicher Fährte beim Austrian Beagle Club nach der Brackenprüfordnung bestanden und ist auch im BCD zur jagdlichen Leistungszucht zugelassen.

Für die Zucht steht er nur noch für Hündinnen die EPM2B clear getestet sind zur Verfügung.

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Info zur Lafora-Krankheit

Die Lafora Krankheit ist eine rezessiv vererbte Krankheit, die medizinisch zu den Myklonusepilepsien gezählt wird und auch beim Menschen auftritt.

Es handelt sich hier nicht um Epilepsie (unbekannter Ursache), die meist bei jüngeren Hunden (unter 5 Jahre) erstmalig auftritt.

 

Ursache für die Lafora Krankheit ist eine Mutation an dem Gen EPM2B, welches das Protein Malin (E3-Ubiquitin-Proteinligase) codiert. Das Protein Malin spielt u.a. eine Rolle im Kohlenhydratstoffwechsel.

 

Eine Rassedisposition ist bei Mini-Drahthaarteckel, Basset Hound und Beagle bekannt. Die Genmutation konnte bei Teckel und Basset Hound bereits identifiziert werden, während beim Beagle eine abweichende Mutation vermutet wird. Beagle zeigen meist auch einen schwereren Krankheitsverlauf. Einen kommerziellen Gentest gibt bisher leider nicht. Inwieweit die Testmöglichkeit an einem kanadischen Kinderkrankenhaus überhaupt für Beagle durchführbar ist, weiß ich zurzeit noch nicht. Hier sind aber bereits die ersten Schritte von Seiten der Zuchtleitung getan, um an mehr relevante Informationen zu gelangen.

 

Folge der Genmutation, welche der Lafora Krankheit zugrunde liegt, ist wahrscheinlich eine gestörte Umwandlung von Glucose in die Speicherform Glykogen. Es entstehen stärke-ähnliche unlösliche Polyglucosane, die als Laforakörper bezeichnet werden. Diese reichern sich nach und nach in Zellen an, vor allem im Gehirn und Nervensystem aber auch im Leber- und Muskelgewebe.


Betroffene Hunde zeigen die ersten Symptome ab dem 6. Lebensjahr, oft auch erst später (über 7 Jahre). Die Krankheit ist fortschreitend und nicht heilbar. Nach Einsetzen der Symptome ist die Lebensqualität in vielen Fällen stark beeinträchtigt und die Lebenserwartung verkürzt sich.

 

Ganz typisch sind rasche, unwillkürliche Muskelzuckungen (Myoklonien) besonders im Bereich des Kopfes. Diese Zuckungen sehen aus, als würde der Hund vor Schreck kurz zusammenzucken. Es kann auch sein, dass der Hund plötzlich einfach umfällt. Diese Zuckungen können spontan auftreten und durch äußere Reize ausgelöst werden! Die Hunde bleiben bei vollem Bewusstsein. Das Auslösen durch z.B. Lichteinflüsse (Blitzlicht, Sonnenreflektionen etc.), plötzliche Bewegungen im Gesichtsfeld oder auch Geräusche ist ganz typisch für die Lafora Krankheit und ein wichtiger Hinweis zur Abgrenzung von anderen Ursachen (z.B. kardialen Synkopen).

 

Neben den Zuckungen können die betroffenen Hunde partielle oder generalisierte Krampfanfälle haben und gerade beim Beagle ist deren Häufigkeit oft nicht durch Medikamente beeinflussbar. Es treten auch Muskelzittern (in Ruhe), verstärktes Blinzeln, Verhaltensänderungen (Zunahme von Unsicherheit und Stressanfälligkeit, allgemeine Zurückgezogenheit) auf und bestimmte Bewegungsabläufe (z.B. Treppensteigen, Sprünge) erscheinen nicht mehr so richtig „rund“.

 

Weitere Beeinträchtigungen bei fortgeschrittener Krankheit können Ataxien, Blindheit und Demenz sein.


Eine eindeutige Diagnose ist zurzeit nur durch den Nachweis der Laforakörper über eine Biopsie betroffener Gewebe möglich. Weitere Untersuchungsergebnisse (Blut, MRT) sind in der Regel ohne Befund und im Normalbereich. Hat aber ein älterer Hund plötzlich einen oder mehrere Krampfanfälle und zeigt die beschriebenen Muskelzuckungen, sollte man an die Lafora Krankheit denken.


Wie schon Eingangs geschrieben, wird die Lafora Krankheit rezessiv vererbt und nur die Hunde erkranken, die das mutierte Gen von beiden Eltern geerbt haben. Hunde, die neben einem mutierten ein normales Gen haben, bleiben als so genannte Anlagenträger gesund. Solange es aber keinen sicheren Gentest gibt, sind Anlagenträger vor einem Zuchteinsatz nicht identifizierbar. Erst erkrankte Nachzuchten geben Aufschluss über den Genotyp der Eltern. Das große Problem ist hier aber, dass die ersten Hinweise auf eine mögliche Erkrankung eines Hundes erst in seiner zweiten Lebenshälfte auftauchen.

 

Somit besteht immer das Risiko, zumindest theoretisch, dass Anlagenträger oder sogar erkrankte Hunde mehrfache Nachzuchten haben. Dadurch erhöht sich der Anteil der Anlagenträger in der Population und die Wahrscheinlichkeit steigt, unwissentlich solche zu verpaaren, was dann zu neuen kranken Hunden führt.

 

Die Epilepsie ist eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen bei Hunden. Es wird angeführt, dass ungefähr 5 % aller Hunde von dieser Krankheit betroffen sind. Die Lafora Epilepsie ist eine erbliche Form der Epilepsie, die bei einigen Hunderassen auftritt. Zum ersten Mal wurde sie bei dem Rauhaardackel entdeckt. Zum Beispiel, in Großbritannien leiden an diese autosomal rezessive progressive Erkrankung mehr als 5 % der reinrassigen Rauhaardackel. Zu den weiteren Hunderassen, bei welchen man diese Erkrankung begegnet, sind z.B. Basset, Zwergpudel und Großpudel, Pointer, Welsh Corgi oder Beagle.  Mit Bezug darauf, dass es zwischen einigen Rassen, die an Lafora-Epilepsie leiden, keine Verwandtschaft gibt, scheint es, dass diese Mutation wiederholt auftrat und durch Inzucht verbreitet wurde.

Die klinischen Symptome zeigen sich in der Regel im Alter von 5-6 Jahren oder später.  Sie umfassen vor allem Myoklonien (unregelmäßige für Epilepsie typische heftige Muskelzuckungen) und mit der Zeit erhöht sich  nicht nur die Häufigkeit der Anfälle und der unkontrollierten Zuckungen, es treten nach und nach noch weitere neurologische Symptome wie Ataxie, Blinzeln, Blindheit und Demenz auf.  Bei den Anfällen können gewöhnlich auch Muskelrigidität, Lautäußerungen, Speichelfluss, Urinieren oder Bewusstseinsverlust auftreten. Der epileptische Anfall kann entweder spontan oder durch wechselnde Lichtverhältnisse, plötzliche Geräusche oder Bewegungen, besonders in der Nähe des Kopfes des Hundes ausgelöst werden.

Diese Form der Epilepsie ist unheilbar und fatal. Die Therapie ist zurzeit nur auf die Behandlung der Anfälle begrenzt. Durch geeignete Diät und Medikamente können die Anfälle unter Kontrolle gebracht werden.

Es wurde das NHLRC1-Gen, das für die Lafora-Epilepsie beim Beagle und Zwerg-Rauhaardackel verantwortlich ist,  identifiziert.  Die Dysfunktion des Gens führt zur Aggregation und Anhäufung von Polysacchariden und Bildung von Glykogen-Partikeln (so genannten Lafora-Körperchen - Lafora bodies). Das NHLRC1-Gen kodiert die E3-Ubiquitin-Proteinligase (Malin), die sich an der Regulierung des Laforins beteiligt. Einfach ausgedrückt, das NHLRC1-Gen beteiligt sich an dem Schutz von Zellgewebe vor Anhäufung von Kohlenhydraten.  Durch die Mutation geht diese Schutzeigenschaft verloren. Die Lafora-Körperchen  wachsen nach und nach in dem zentralen Nervensystem, wo sie neurotoxische Wirkung haben und werden auch im Gewebe von Muskeln, Haut, Leber und Herz abgelagert.  Es handelt sich eigentlich um Störung des Glykogenstoffwechsels, die sich als progressive Myoklonusepilepsie demonstriert.

Ein Gentest, durch welchen der Genotyp des Hundes bestimmt werden kann, wird allgemein empfohlen. Er kann dem Züchter bei Auswahl des potentiellen Zuchtpaars helfen, damit das Risiko der Geburt von betroffenen Welpen minimiert und dadurch auch diese Erkrankung aus der Zucht nach und nach eliminiert wird.

Lafora Epilepsie Mutation wird rezessiv vererbt. Betroffen sind Hunde, die zwei Kopien des mutierten Gens tragen (P/P). Hunde mit einer Kopie des mutierten Gens weisen keine klinischen Anzeichen der Krankheit, welche die Gesundheit beeinflussen, auf. Bei Deckung von zwei heterozygoten Hunden (N/P) werden theoretisch 25 % der Nachkommen völlig gesund (N/N), 50 % werden Träger der Krankheit sein (N/P) und 25 % der Nachkommen vererben das mutierte Allel von beiden Elternteilen (P/P) und werden an Lafora Epilepsie leiden.

 

In Europa ist das Labor Genomia in Tschechien das derzeit einzige Labor, das einen zertifizierten Gentest für Lafora bei Beagles anbietet.

Zum Genomia Lafora-Test